Umfassende Einblicke in das Leben vor 300 bis 400 Jahren
Marburger Geisteswissenschaften im Blickpunkt der Präsentation auf dem Hessentag 2010 in Stadtallendorf
Vom 28. Mai bis zum 6. Juni wird der Hessentag in Stadtallendorf ausgerichtet – die Universität Marburg ist dabei: Bereits am Samstag diskutieren die Unipräsidentin Prof. Dr. Katharina Krause und der Virologieprofessor Dr. Stephan Becker das Thema „Marburg impft die Welt“ - Forschung an der Philipps-Universität Marburg (am 29. Mai ab 14.45 Uhr, Landesausstellung, Halle 1).
Parallel dazu präsentieren sich während des gesamten Hessentags ausgewählte Geisteswissenschaften auf dem Gemeinschaftsstand des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (Landesausstellung, Halle 1, Stand D 1.10). „Die Projekte, die wir am Stand in Zusammenarbeit mit der Philipps-Universität Marburg und der HessenArchäologie präsentieren, belegen eindrucksvoll, welchen Erkenntnisgewinn die Beschäftigung mit Papier, Schrift und Wort bringt. Zu Unrecht stehen die Geisteswissenschaften gelegentlich ein wenig im Schatten anderer Disziplinen, denn Erkenntnisgewinn ist immer dann besonders groß, wenn er ganzheitlich ist“, sagt Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann.
Gedruckte Leichenpredigten aus der Zeit zwischen Reformation und Aufklärung ermöglichen oft verblüffend umfassende Einblicke in das Leben vor 300 bis 400 Jahren. Sie bilden mit detaillierten Angaben zu familiären Verhältnissen, Schul- und Berufsausbildung, Reisen, Krankheiten und persönlichen Erlebnissen des Verstorbenen den Alltag zwischen 1550 und 1750 auf einzigartige Weise ab. Im deutschsprachigen Raum sind mehr als 300.000 Leichenpredigten überliefert. Seit 1976 ermittelt und katalogisiert die Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg, eine Arbeitsstelle der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz, diese biografischen Quellen, um sie für eine Nutzung zugänglich zu machen.
Das Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas der Universität Marburg präsentiert das Projekt REDE. Sprechen und Sprache erscheinen uns als etwas Natürliches und Selbstverständliches. Dabei wird Sprache von ganz unterschiedlichen Faktoren beeinflusst, von denen die Region, in der sie gesprochen wird, nur einer ist. Aber auch zum Beispiel das soziale Umfeld beeinflusst den Umgang mit Sprache. Die Sprachwissenschaft beschäftigte sich bisher hauptsächlich mit der so genannten Hochsprache und alten Lokaldialekten. In den Alltagsgesprächen der Menschen dominieren aber „moderne Regionalsprachen“, also Formen des regional geprägten Sprechens zwischen Dialekt und Hochdeutsch. Diese modernen Regionalsprachen werden in dem Projekt „regionalsprache.de“ (REDE) flächendeckend für ganz Deutschland untersucht.
Als dritten Schwerpunkt beantwortet das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde spannende Fragen: Wie zersplittert war Hessen vor der Französischen Revolution? Warum wurden Flurstücke „Dragoner“, „Flüchtling“ oder „Türke“ genannt? Was ist ein „Sturzeboller“, wie waren die Kinder in Hessen vor dem Ersten Weltkrieg gekleidet und wie sah Stadtallendorf bei Kriegsende aus?
Darüber hinaus veranstaltet das Ministerium am Mittwoch, 2. Juni 2010, um 10 Uhr einen Comic-Zeichen-Workshop mit Artur Klose in der Turnhalle auf dem Platz der Streitkräfte und um 11 Uhr im Festzelt der Bundeswehr einen Poetry Slam von und mit Lars Ruppel.
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