Eine Stadt, ein Fluß, ein Hafen und eine Bootswerft
Bei gleißendem Sonnenschein wurde Elisabeth II, ein solarbetriebenes Fährschiff, am Pfingstsamstag getauft
Ein imposanter und buntscheckiger Schiffskorso begleitete die Jungfernfahrt des restaurierten, wieder fahrtüchtigen Schiffskutter aus dem Norddeutschen. Viel Prominenz und Schaulustige tummelten sich an, auf und in der Lahn. Letzteres war allerdings nur ein DLRG-Mann, der mit einer Schwimm-Entenattrappe auf das beliebte Marburger Entenrennen hinweisen wollte.
Gegenüber der neuen Mensa-Lahnterrasse hatte der THW ein Ponton zur überdachten Show-Insel, der Fluß-Bühne, ausgebaut. Die Sonne strahlte zu Auszügen aus Georg Friedrich Händels “Wassermusik” punkt 14 Uhr - das festlich gekleidete VfL Marburg Sinfonische Orchester unter Chefdirigent Torsten Eckerle kämpfte mit den Schweißperlen.
„Es gab da Lächler, als wir von „Hafenfest“ sprachen. Und nun sind so viele Besucher hier versammelt, wie in Hamburg, wenn ein Fünfmaster einläuft“. scherzte Oberbürgermeister Egon Vaupel und blickte während seiner Ansprache auf die vielen hundert Zuschauer um ihn herum. Stolz bilanzierte er das letzte Jahr, das die Lebensqualität im ufernahen Bereich deutlich verbessert habe. So die Lahnterrassen oder die neuen Grünflächen statt der alten Parkplätze an der Lahn.
Auf insgesamt drei Bühnen, der “Fluss-Bühne” bei der Mensa, der “Barbecue-Bühne” an der Einmündung des Schwarzen Wassers in die Lahn sowie der “Ufercafé-Bühne” am Bootsverleih Weidenhausen, wird es bis Pfingstmontag verschiedene Kulturprogramme mit Pop, Ethno-Funk, Shantys, Folk, Jazz und Poetry Slam zu entdecken geben.
Die Idee von Marburg an die Lahn ist bereits 10-12 Jahre alt. Damals trafen sich Marburger Bürger, welche die Ausrichtung Marburgs allein und ausschließlich auf die Mittelalterliche Burg als zu kurzsichtig empfanden. Der Fluß war einst zentral im Denken, deshalb hieß es ja auch lange Zeit „Marburg an der Lahn“.
Eine Rückbesinnung auf den Fluß, … das war ihr Ziel. 2009 wurde die Idee „Marburg an die Lahn“ zu bringen von der Stadt, vielen Bürgern und der Marburger Bootswerft schließlich mit Leben erfüllt. Das Hafenfest ist nicht nur ein Fest, sondern hat einen starken politischen Aspekt, so OB Vaupel. Es gehe um die städtebauliche, ökologische, kulturelle und künstlerische Entwicklung der Universitätsstadt Marburg.
Eine Tradition der 1950er Jahren konnte dank solcher Sponsoren wie der Deutschen Vermögensberatung des Marburger Ehrenbürgers, Prof. Dr. Reinfried Pohl, und Solar Wagner, wieder aufgenommen werden. Hergerichtet wurde der alte Fischkutter vom Qualifizierungsbetrieb Marburger Bootswerft, unter Leitung von Angelika Funk, stellvertretenden Geschäftsführerin des Vereins Arbeit und Bildung.
Und…es stimmt ! …. Marburg liegt zwar weit weg vom Meer, hat aber wirklich eine Bootswerft,…und das seit 2006 !! Das Ausbildungsprojekt wird gefördert vom KreisJobCenter des Landkreises und der Agentur für Arbeit Marburg.
„Allzeit eine handvoll Wasser unter dem Kiel“ wünschte die - traditionell weibliche - Taufpatin Angelika Funk dem alten Fischkutter, der bis Oktober auf der Lahn den neuen, alten Fährbetrieb wieder aufnimmt. Die Flasche Lahn-Sekt würde nicht am Schiffskörper zerschmettert, so die erfahrene Seglerin Funk. Einem alten Schiff würde der Sekt nur über den Bug ausgegossen. Und die Flasche würde lebenslang als Talisman stets an Bord verbleiben.
Sie bedankte sich bei den verschiedenen Behörden und Menschen, die den 1950 erbauten Fischkutter bisher begleiteten und verwandelten: von einem Wrack auf einer Koppel im Norddeutschen hinzu einem bildschönen Solar-Fährschiff auf der Lahn. Der Marburger Kulturchef, Dr. Richard Laufner, moderierte feinsinnig-ironisch das Defilée der verschiedensten Ehrenboote der getauften Elisabeth II.
Fotos: vrs (Viktor R. Szymczak)
Galerie-Foto: OB Egon Vaupel und Angelika Funk bei Ihren Ansprachen zur Taufe
Foto (Text) : Elisabeth II wird von Angelika Funk mit Lahnsekt getauft
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